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Kann man Großzügigkeit lernen?

Großzügigkeit

Vor gut einer Woche bin ich durch die Stadt gelaufen und habe festgestellt, dass ich kein Geld mehr hatte, um einem Mann, der auf dem kalten Boden saß, ein wenig zu schenken.
Ich war irgendwie traurig und unzufrieden mit mir selbst.
Und dann ist mir klar geworden, welch riesigen Weg ich hinter mich gebracht hatte. Noch vor drei Jahren wäre es mir im Traum nicht eingefallen, mehr als ein paar Cent zu spenden. Und jetzt suchte ich nach einem 5 Euro-Schein, um ihn irgendjemandem in die Hand zu drücken.
Ich glaube, ich bin noch immer kein besonders großzügiger Mensch. Zumindest nicht im Vergleich zu so manch anderen.
Und besonders wenn es um Zeit geht, kann ich ziemlich knauserig sein.
Aber ich habe mich verändert. Irgendwie ist im Laufe der Zeit die Erkenntnis in mein Bewusstsein gesickert, dass geben eben doch glücklich macht.
Und wenn uns etwas glücklich macht, wollen wir natürlich mehr davon.
Ist es möglich, sich Großzügigkeit anzutrainieren wie eine Gewohnheit?
Kann man sie im eigenen Charakter verankern und auf allen Ebenen ausleben?

Was ist Großzügigkeit eigentlich?

Vor jeder Suche muss man definieren, was man eigentlich will.
Sonst kommt man hinterher zwar irgendwo an, aber das kann meilenweit von unserem eigentlichen Ziel sein.
Unser Ziel ist klar: großzügiger werden.
Schon Aristoteles hat die Großzügigkeit als eine Tugend und Charakterstärke beschrieben. Was also ist Großzügigkeit?
Auf den ersten Blick ist Großzügigkeit natürlich GEBEN. Und zwar Geben ohne Zwang, Verpflichtungen oder irgendwelche Hintergedanken.
Das kann materielle Hilfe nach den eigenen Möglichkeiten sein, das Teilen von Wissen oder von Respekt und Vertrauen.
Das kannst du umsetzen, indem du etwas spendest, Geschenke verteilst, anderen etwas beibringst oder indem du einfach zuhörst, wenn dich jemand brauchst.
Großzügigkeit zeigt sich im Umgang mit anderen aber auch durch Nachsicht.
Zum Beispiel wenn wir über Fehler anderer hinwegsehen.
Oder wenn wir den Menschen vergeben, die uns verletzt haben.
Was bei anderen funktioniert, funktioniert natürlich auch bei uns selbst.
Großzügigkeit kannst du auch dir selbst gegenüber walten lassen.
Das zeigt sich im liebevollen Umgang mit dir, im vergeben und in der Investition von Zeit oder Geld für dein eigenes Wohlergehen.
Das klingt im ersten Moment vielleicht nicht besonders großzügig, sondern eher egoistisch. Aber nur ein glücklicher Mensch kann auch andere Menschen glücklich machen. Ein wenig Egoismus ist also eigentlich schon wieder Altruismus.

Warum sollte ich etwas teilen, wovon ich doch eh so wenig hab?

Wenn du wie ich etwas mehr Großzügigkeit in deinen Alltag einbringen möchtest, dann lohnt es sich, das WARUM anzusehen.
Das Gehirn wird nämlich nichts machen, von dessen Nutzen es nicht vollkommen überzeugt ist.
Nehmen wir uns also die paar Minuten und schauen uns den Nutzen von Großzügigkeit an.
An erster Stelle steht natürlich, dass es die Welt etwas besser macht, wenn alle großzügiger sind.
So vermehrt sich nicht nur das Wissen, sondern auch die finanziellen Mittel und Freude verteilen sich gleichmäßiger.
Anders als viele glauben, wird man nicht einfach von allen ausgenutzt, wenn man großzügig ist. Großzügigkeit ist keine Selbstaufopferung, sondern ein freundliches Geben in dem Maße, das einem selbst möglich ist und nicht schadet.
Großzügigkeit ist wie eine Dominoreihe. Wenn einer anfängt, zieht der Rest meist mit.
Wenn du also etwas großzügiger bist, dann wirkt sich das auch für dich positiv aus.
Du wirst nicht nur eher Unterstützung bekommen, andere werden auch eher zu Kooperationen mit dir bereit sein. Es bringt dir Achtung, Anerkennung und Erfolg. Es vertieft deine Freundschaften und macht die Menschen glücklich, die dir wichtig sind.
Noch viel wichtiger ist aber, dass Schenken an sich schon glücklich macht.
Ein wenig reicht aus, um den cinguläre Cortex zu stimulieren, der deine Serotoninproduktion anhebt.
Schenken wirkt also wie eine leichte Droge.
Nur dass die ungesunden Nebenwirkungen wegfallen.

Geschenke machen dich und den Beschenkten glücklich.

Geschenke machen dich und den Beschenkten glücklich.

Warum sind nicht alle Menschen großzügig?

Egoismus und das Anhäufen von materiellen Besitz ist eigentlich die Folge einer einzigen Emotion: Angst.
Wenn du Angst hast, nicht genug zu haben, dann teilst du das bisschen, was du hast, nicht auch noch.
Das ist ein weiterer positiver Nebeneffekt der Großzügigkeit.
Es wirkt wie eine positive Affirmation – nur hundertfach verstärkt.
Du sagst damit: Ich habe keine Angst. Ich vertraue darauf, genug zu haben.
Jetzt und in Zukunft.
Geben macht also nicht nur glücklich, sondern schafft auch Vertrauen in die Zukunft.

Wie kann ich das lernen?

Ich kann dich beruhigen.
Großzügigkeit ist lernbar.
Die Menschen werden nicht als Egoisten oder Altruisten geboren und bleiben dann ihr ganzes Leben so.
Tatsächlich werden eigentlich alle Menschen als Egoisten geboren.
Großzügigkeit und das Prinzip des Teilens können Kinder erst mit etwa 3 bis 4 Jahren verstehen und anwenden.
Es kommt und geht in den ersten Jahren und stabilisiert sich erst mit einiger Übung.
Wirklich durchsetzen kann sich Großzügigkeit nur, wenn die Eltern sie aktiv fördern und ein gutes Beispiel dafür geben.
Wenn deine Eltern es damals versäumt haben, dir Großzügigkeit einzuimpfen, dann ist jetzt der richtige Moment, das zu ändern.

#1 Entscheidung treffen

Jede Veränderung beginnt mit einer Entscheidung.
Nimm dir also die paar Sekunden Zeit und entscheide dich bewusst dafür, großzügiger zu sein.

#2 Großzügigkeit anderer sehen

Stelle dir einmal folgende Fragen:
Wer war mir gegenüber schon mal großzügig?
Ohne wen wäre ich nie so weit gekommen?
Wer hat mich gefördert?
Wer war mir ein guter Lehrer?
Wer hat dir schon mal großzügige Geschenke gemacht?
Wenn du diese Fragen ehrlich beantwortest, wirst du wahrscheinlich viel mehr Menschen aufschreiben, als du vorher gedacht hättest.
Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen erzeugt nicht nur Dankbarkeit link, sondern auch ein Gefühl von Sicherheit. Es stimmt schließlich nicht, dass du nie etwas von anderen bekommst, oder?

#3 automatisiere deine Großzügigkeit

Niemand hat gesagt, dass du dir jeden Tag etwas neues überlegen musst.
Manchmal kann es einfacher sein, das Geben zu automatisieren.
Du kannst zum Beispiel einen Dauerauftrag mit deiner monatlichen Spende einrichten.
So gewöhnst du dich daran, etwas weniger zu haben.
Das ist für den Anfang besonders hilfreich.
Denn so hast du kein schlechtes Gefühl, während du spendest.
Aber jedes Mal, wenn du zufällig daran denkst, kannst du dich freuen, dass du so großzügig bist.

#4 klein anfangen

Großzügigkeit wirst du nicht lernen, wenn du dein Haus und deinen sonstigen Besitz komplett verschenkst und fortan unter einer Brücke haust.
Beginne klein.
Zum Beispiel indem du dich über Erfolge und das Glück von anderen Menschen freust, anstatt neidisch zu werden.
Schreibe auf, worüber du neidisch bist und was du anderen Menschen nicht gönnst.
Dann drehe die Aussagen um.
Zum Beispiel: Ich gönne Judith den gutbezahlten Job und das neue Auto.
So bekommst du ein viel besseres Gefühl.
Überlege dir, was dir schwer fällt und was leicht. Und beginne mit dem leichten.
Mir zum Beispiel fällt es sehr schwer, mit meiner Zeit großzügig zu sein. Selbst wenn mir Menschen wichtig sind, kostet es mich immer ein wenig Überwindung, viel Zeit für sie auszublocken, wenn ich in dieser Zeit auch arbeiten könnte.
Dagegen habe ich keine Probleme damit, einen Teil meines Einkommens zu spenden.

Finde heraus, was dir leicht fällt und gehe ich kleinen Schritten weiter.
Aber nicht zu weit. Lerne deine eigenen Grenzen kennen und akzeptiere sie. Du musst dich nicht aufopfern, um großzügig zu sein.

#5 Bringe Geschenke mit

Mache es dir zur Gewohnheit, jedem Menschen den du besuchst oder der dich besucht, ein Geschenk zu machen.
Das muss nicht materiell sein.
Ein Kompliment, ein Ratschlag oder eine tröstende Umarmung sind manchmal die besten Geschenke.
Überlege dir vorher, was dein Gegenüber wirklich braucht.

#6 Kannst du helfen?

Mache es dir zur Gewohnheit, dir zu überlegen, wie du helfen kannst.
Am einfachsten ist es, wenn du eine Liste anlegst.
Schreibe auf, was du verschenken könntest, wie viel Geld du entbehren könntest oder Hilfe, die du anderen anbieten kannst. Auch kleine Freuden kannst du mit aufschreiben.
Wenn du mal nicht weißt, was du tun kannst, dann hast du eine Liste, auf der du nachschauen kannst.
Das hört sich banal an, aber es hilft tatsächlich.

#7 Geben als tägliche Gewohnheit

Wie bei allen Dingen, ist es viel einfacher zu geben, wenn man erstmal dran ist.
Der Anfang ist das schwere.
Nutze also das Momentum, wenn du erstmal dran bist, und versuche, jeden Tag ein wenig zu geben.
Überlege dir jeden Tag: Was kann ich heute für jemand anderen tun?
Mit der Zeit wird es zur Gewohnheit und du musst keinen Gedanken mehr daran verschwenden. Du machst es einfach.

#8 Spiele dein Geben nicht herunter

Noch ein kleiner Tipp am Rande:
Wenn sich jemand bei dir bedankt, dann spiele es nicht herunter.
Sag einfach „Das hab ich gern gemacht“ und lächle.
So bleibt das gute Gefühl auf beiden Seiten noch etwas länger vorhanden.

Du bist großartig. Passe dein Leben an dich an und liebe dich!

Wie steht es bei dir mit der Großzügigkeit? Fällt es dir total leicht oder hast du Probleme damit?
Hast du noch Tipps, wie man mehr Großzügigkeit in seinen Alltag einbetten kann?
Schreibe deine Erfahrungen in die Kommentare. Ich freue mich, von dir zu hören.

 

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