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Warum Selbstliebe für uns so schwierig ist

5.8 Titel Selbstliebe

Ich habe in der letzten Zeit noch viel intensiver über Selbstliebe recherchiert. Und zwischen den vielen Tipps, Hintergrundinformationen und Übungen habe ich mich immer wieder gefragt, warum es eigentlich so viel Literatur zu diesem Thema gibt.
Die Frage ist schnell beantwortet: Weil kaum jemand sich selbst wirklich liebt.

Eigentlich sollte Selbstliebe das Natürlichste der Welt sein.
Und das ist es genaugenommen auch. Zumindest solange bis wir zu einem Teil der Gesellschaft werden – also bis wir von unseren Eltern oder Vormund erzogen werden.

Ich möchte nicht sagen, dass unsere Eltern an allem Schuld sind. Weder deine noch meine.
Sie haben ihr Bestes gegeben und aus Liebe gehandelt. Aber sie wussten es eben nicht besser. Sie haben uns so erzogen, wie sie selbst erzogen wurden.
Und niemand wurde als Kind perfekt geliebt.
Ich weiß nicht mal, ob das möglich ist.

Wenn du die Spirale weiter denkst, dann wird recht schnell deutlich, dass Selbsthass eine Konsequenz der Sozialisation ist.
Das ist irgendwie einleuchtend, aber auch erschreckend, denn Selbstliebe ist der Grundpfeiler von Glück und innerem Frieden. Sie ist die Basis für jede andere Form der Liebe und sollte das Wichtigste sein, wonach wir streben.
Indem unsere Gesellschaft die Selbstliebe verachtet und unterbindet, verhindert sie auch Zufriedenheit und die Liebe unter den Menschen.

Diese Erkenntnis löst zwar nicht das grundsätzliche Problem, hilft aber dabei zu verstehen, warum uns die Selbstliebe so schwer fällt und wie wir an das Problem herangehen können. Und vielleicht zieht die ein oder andere ja ein paar Erkenntnisse daraus, wie sie ihrem Kind Selbstliebe vermitteln kann.

Wie Sozialisation funktioniert

Sozialisation ist nichts anderes an die Anpassung an die Gesellschaft – an ihre Gesetze, Normen, Werte und Ideale ebenso wie an Handlungs- und Wahrnehmungsmuster. Mit Mustern meine ich vorgegebene Arten zu handeln oder denken (also wenn A dann B oder C, aber niemals D). Jede Gesellschaft hat verschiedene Reaktionsmöglichkeiten, die uns nahegelegt werden.
Als kleines Kind musst du das alles erstmal lernen und herausfinden, was angemessen ist und was nicht. Dafür sind die Eltern als Vertreter der Gesellschaft zuständig.

Selbstliebe
Sei doch einfach, wer du bist. Dann lieben dich vielleicht nicht alle Menschen. Aber die Richtigen.
Leichter gesagt als getan.

Diese Disziplinierung funktioniert über Bestrafung und Belohnung.
Wenn etwas von den Eltern als gut empfunden wird, reagieren sie bestärkend. So lernen die Kinder, dass dieses Verhalten „gut“ ist.
Wenn dagegen etwas nicht gesellschaftskonform ist, dann wenden sich die Eltern ab, reagieren gar nicht oder bestrafen das Kind auf andere Art und Weise. Oft sogar unabsichtlich.
Die Werte der Gesellschaft sind so mit den eigenen Denkweisen der Eltern verwoben, dass ihnen dieser Zusammenhang weder auffällt, noch können sie irgendetwas daran ändern. Sie wiederholen einfach genau jene Prägung, die ihre Eltern schon bei ihnen eingepflanzt hatten. Meist mit kleinen Veränderungen aber doch in ähnlichen Mustern.

Das System aus Bestrafung und Belohnung hat aber nicht nur zur Folge, dass wir lernen, was gut und angemessen oder schlecht und falsch ist. Wobei gut und angemessen einfach an die Gesellschaft angepasst bedeutet.
Wir lernen dadurch, dass wir „gut“ sein müssen, um geliebt zu werden. Um der Liebe Wert zu sein.
Und das es Teile in uns gibt, die nicht „gut“ sind und deshalb versteckt werden müssen.

Bei all dem heißt es immer, es sei zu „deinem eigenen Besten“ und als Kinder glauben wir das einfach.
Zum einen sind wir emotional und physisch völlig abhängig von unseren Eltern. Unsere Welt dreht sich um sie und wir vertrauen ihnen bedingungslos. Sie sind schließlich diejenigen, die alles verstehen und die absolute Macht haben. Zumindest glauben wir das.
Zum anderen liegt das Unbewusste in der ersten Phase quasi ungeschützt unter der Oberfläche. Alles was passiert geht direkt hinein, ohne dass es auf Richtigkeit überprüft wird. Deshalb nehmen wir alles als Teil unserer Selbst auf und lassen später unser ganzes Leben davon bestimmen.

Das Ergebnis ist Verwirrung statt Selbstliebe

Was unsere Eltern meinen, was gut für uns ist, sind solche Dinge wie stundenlang still sitzen und lernen, Klavierspielen oder Lebertran trinken.
Vielleicht – bei einigen Dingen sogar sehr wahrscheinlich- sind diese Dinge wirklich gut für uns. Aber sie erzeugen eine tiefsitzende Verwirrung.

Wir beginnen an uns selbst zu zweifeln.
Schließlich sind die Dinge, die uns Freude bereiten – zum Beispiel auf den Baum klettern-, offenbar „schlecht“ für uns.
Gleichzeitig erscheint es uns unerträglich die Dinge zu tun, von denen unsere Eltern behaupten, dass sie gut für uns sind.
Deshalb glauben wir irgendwann, dass unsere innere Führung einfach nicht funktioniert. Wir vertrauen uns selbst nicht mehr.

Mit der Zeit entwickeln wir sogar ein tiefgreifendes Misstrauen gegen jede Form von Leichtigkeit und Freude. Glücklichsein wird entweder ganz von der Liste der Wünsche gestrichen oder an das Erreichen bestimmter Ziele geknüpft.
Hast du schon mal jemanden erzählt, dass auf der Arbeit alles super läuft, du begeistert aber nicht überfordert bist und du, obwohl du viel Geld verdienst, auch noch reichlich Zeit  hast? Die Leute würden Abstand nehmen, um nicht von deinem Wahnsinn angesteckt zu werden.

Selbstliebe
Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern.
Aber du kannst heute neu anfangen.

Es kommt sogar noch schlimmer.
Weil Liebe und Schmerz oder Bestrafung in der Erziehung unweigerlicher miteinander verknüpft werden, lernen wir, dass Liebe Schmerz bedeutet. Wir misstrauen nicht nur allzu glücklichen, leichten Beziehungen, wir denken auch, dass wir das Recht haben, andere aus Liebe zu „erziehen“ und zu verändern.
Und wenn wir etwas nicht so bekommen, wie wir es wollen, dann sehen wir es als gerechte Bestrafung an. Wir sind einfach nicht gut genug für die Liebe, den Erfolg, das Gehalt oder was auch immer.

Angst vor der Selbstliebe

Eigentlich glauben die meisten von uns noch immer, dass sie innerlich „schlecht“ und nicht gut genug sind.
Deshalb benutzen wir unsere Anpassung an die Gesellschaft als Unterdrückungs-Maßnahme gegen das „Böse“ in uns. Wir haben schlicht und einfach Angst, dass irgendjemand erfährt, wie kaputt und schlecht wir wirklich sind.

Jede Form der Selbstliebe wird mit Abwehr begegnet, weil wir das „Schlechte“ unterdrücken müssen. Dadurch ist die einzige Liebe, die wir bekommen können, die Liebe von anderen.
Das macht uns nicht nur extrem abhängig und bedürftig. Es bindet uns auch weiter an den Zwang „gut“ also angepasst zu sein. Nur so glauben wir, können wir Liebe bekommen.
Anpassen können wir uns übrigens auch wahlweise an Gruppen oder Personen, die nicht konform zur Gesellschaft leben. Das Prinzip bleibt das gleiche.

Und jetzt?

In einer Gesellschaft, in der alle darauf getrimmt werden, sich auf Schwächen und Fehler zu konzentrieren und diese zu missbilligen, ist es schwierig sich offen zu zeigen und einfach man selbst zu sein. Oder auch nur ein Gefühl dafür zu bekommen, wer wir sind.

Es ist wichtig, dass wir anfangen, uns selbst offen zu zeigen. Jede einzelne von uns.
Vielleicht erst nur uns selbst gegenüber. Vertrauten Personen. Dann dem Rest der Welt.
Niemand ist perfekt. Uns alle einen die gleichen Ängste, Unzulänglichkeiten und Probleme.
Nur spricht niemand darüber.

Selbstliebe
Der wichtigste Tag in deinem Leben ist der Tag, an dem du entscheidest, dass du gut genug bist.

Während ich diesen Text schreibe nagen die Zweifel an mir.
Was denken die Leute wohl über mich, wenn ich diesen Artikel veröffentliche? Wer bin ich überhaupt, dass ich über Selbstliebe schreibe, obwohl ich doch noch immer so sehr damit hadere? Beweisen nicht meine Selbstzweifel, dass ich rein gar nichts gelernt habe? Dann sehe ich das Chaos im Zimmer um mich herum. Selbstliebe kann ich darin beim besten Willen nicht erkennen. Höchstens Überforderung.
So spielen meine Gedanken in meinem Kopf Karussell, während ich auf die Tasten drücke.
Es muss nicht immer alles perfekt sein.

Deine Schatten anzunehmen ist ebenso wichtig wie das Verständnis, weshalb es dir so schwer fällt, sie anzunehmen.
Unsere Erziehung hat uns geprägt, aber wir sind nicht in Stein gemeißelt. In jedem von uns steckt das Korn der Veränderung.

Sei doch einfach, wer du bist.
So lieben dich vielleicht nicht alle Leute. Dafür aber die Richtigen.

Du bist großartig. Liebe dich und pass dein Leben an dich an!

Mit welchen Zweifeln und Ängsten quälst du dich, wenn niemand hinschaut? Teile sie mit uns und zeige anderen, dass sie nicht allein sind.

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