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4 Wege, weniger zu nörgeln und deine Beziehung zu verbessern

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Gestern erst bin ich mitten in einer Unterhaltung aufgeschreckt, weil ich mich selbst beim nörgeln wahrgenommen habe. Der Tonfall bissig, die Haltung abweisend und der Blick vorwurfsvoll.
Und das nur, weil ich einkaufen gehen soll, obwohl es heute Flos Aufgabe gewesen wäre. Es ist nicht mal so, dass ich nicht nachvollziehen kann, warum er es nicht schafft. Das kann ich sehr wohl.
Ich hab nur keine Lust und plötzlich fallen mir all die Dinge ein, die ich ständig mache. Und keine einzige Sache, die er macht.

Es gibt nichts, was ich so sehr hasse, wie wenn ich mich selbst beim nörgeln erwische. Dann höre ich mich einfach zu sehr an wie … nun ja, du kannst es dir denken und ich will es nicht aufschreiben.

Kennst du diese Momente, in denen du vor deinem eigenen Tonfall erschrickst?
Gerne würde ich behaupten, dass mir das nur selten geschieht, aber das stimmt nicht. Ich meckere viel zu oft.
Und das blöde daran ist, dass meckern ansteckend wirkt. Fängt einer an, ziehen die anderen bald mit. Und kaum dass man sich versieht, besteht das ganze Haus aus meckernden Miesepetern.

Egal ob Nörgeln und Jammern, Meckern oder einfach nur bissige Seitenhiebe das Mittel deiner Wahl sind, sie alle schaden deiner Beziehung, machen dich und deinen Partner unglücklich.
Und das schlimmste daran ist: Es funktioniert nicht mal.
Die so deutlich mitschwingende Kritik verhindert, dass dein Gegenüber das Gesagte annehmen kann. Du provozierst nur eine Trotzreaktion und lieferst mit deinem eigenen Verhalten den Grund, warum dein Partner nicht deinen Erwartungen entspricht.

Warum nörgeln wir eigentlich?

Die kleinen Kommentare sind schnell in eine Unterhaltung eingebaut und oft bekommen wir das erst mit, wenn sie schon unseren Mund verlassen haben.
So unschuldig, wie das Nörgeln auf den ersten Blick wirkt, ist es aber ganz und gar nicht. Dahinter steckt nämlich einiges mehr.

Im Nörgeln und Meckern versteckt sich der Wunsch, den anderen zu verändern. In diesem Moment stellen wir die Idee, wie der andere nach unseren Erwartungen sein sollte, über unsere Liebe für ihn oder sie.
Die Ideale, die wir erwarten, können aber nur enttäuscht werden, denn unser Gegenüber ist ein lebender Mensch und kein Roboter.

Wenn wir anfangen zu nörgeln bedeutet es dann auch, dass wir die Hoffnung auf Veränderung längst aufgegeben haben. Statt unsere Wünsche zu kommunizieren, arbeiten wir nur noch mit Vorwürfen.
Wir glauben daran, Recht zu haben. Und fühlen uns verletzt, weil der Partner das nicht anerkennt.

Aus der Erschöpfung und Traurigkeit heraus, die hinter dem Nörgeln stecken, schwanken wir zwischen unserer Verlustangst und dem Glauben, dass der andere unser Leben ruiniert.
Wir konzentrieren uns dann nur noch auf unser eigenen Leiden und werden blind für die tatsächlichen Gegebenheiten. Statt mit Empathie können wir nur noch mit Panik reagieren. Deshalb bekommen wir es auch erst mit, wenn die Worte schon unseren Mund verlassen haben.

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Grund ist eigentlich ein tiefgreifendes Ohnmachtsgefühl.
Weil wir im Partner den Grund für unsere eigene Unzufriedenheit sehen, können wir auch nichts an der Situation ändern. Wir geben die gesamte Verantwortung ab und uns unserem Leid hin, statt selbst aktiv etwas zu verändern.
Die Folge ist absolute Abhängigkeit und damit noch mehr Verlustangst, also auch mehr Nörgeln.
Was paradoxerweise zu einer höheren Wahrscheinlichkeit führt, dass die Beziehung scheitert.

Natürlich kannst du versuchen, mit Affirmationen etwas an deiner Grundeinstellung zu ändern.
Die besten Affirmationen sind aber immer noch deine Taten.
Lass uns also versuchen, tiefer zu gehen und etwas grundlegendes verändern.

Wie du wirklich aufhörst zu Nörgeln und zu Meckern

Das blöde ist, als Babys hat es wunderbar geklappt. Wir mussten nur ein wenig jammern oder im Zweifelsfall schreien und schon haben sich alle um uns gekümmert.

Leider funktioniert das heute nicht mehr.
Du bist selbst für dein Leben und damit auch für dein Glück verantwortlich.

Die Schritte, die ich dir nun vorstelle, sind nicht unbedingt einfach, aber du wirst schnell Veränderungen wahrnehmen und merken, dass sich der Aufwand wirklich lohnt.

#1 Verantwortung für die eigenen Emotionen übernehmen

Auch wenn es manchmal schwierig ist, das anzuerkennen: Nur du bist für deine Gefühle verantwortlich. Dein Partner mag sie vielleicht auslösen, aber nur, weil sie schon in dir angelegt sind.
Es geht nie um die anderen Menschen, sondern immer nur um uns selbst.
Wenn es anders wäre, würde dich die kleine Marotte nicht weiter stören, vielleicht würdest du sie nicht mal wahrnehmen.

Wenn du wirklich etwas verändern möchtest, musst du die Verantwortung für deine Emotionen übernehmen.
Außer du willst einfach nur, dass dein Partner nicht merkt, wie sehr dich alles stört. In diesem Fall kannst du diesen Schritt überspringen und direkt zum nächsten Punkt weitergehen.

tiefer blicken

Nur wenn du dich mit deinen Emotionen auseinander setzt, kannst du auch Veränderungen anstoßen.
Hast du dich schon mal gefragt, warum es dich ärgert, wenn die Krümel vom Frühstück auf der Anrichte liegen bleiben?

Es muss mehr dahinter stecken als nur die paar Krümel und die zehn Sekunden, die du brauchst um sie zu entfernen.
Was sind also die dahinterliegenden Motive?
Worum geht es eigentlich?

Empfindest du die liegengebliebenen Krümel als Missachtung deiner Person? Greift es dich an? Oder verbindest du mit der Unordnung irgendeine Angst, die bislang unbewusst geblieben ist? Überträgst du vielleicht eine Unzufriedenheit mit der Beziehung oder einem anderen Bereich auf die Situation?
Die Frage ist also: Worum geht es eigentlich?
Um diese Frage so tiefgreifend zu beantworten, wie es dir im Moment möglich ist, benutzt du am besten Freewriting.

Erwartungen klären

Wir gehen in jede Situation und auch jede Beziehung mit bestimmten Erwartungen hinein.
Enttäuscht, wütend und verletzt werden wir, wenn die Realität nicht diesen Erwartungen entspricht. Im Wort Enttäuschung steckt ja bereits, dass die Täuschung aufgehoben wird.
Die meisten Erwartungen haben wir unbewusst in unserer Kindheit aufgenommen. Dadurch sind sie im Unbewussten verankert und agieren auf emotionaler Ebene. Du kannst also durchaus wütend sein, weil eine Erwartung enttäuscht wurde, ohne dass du weißt, was in dir vorgeht.

Deshalb ist es wichtig, die Erwartungen bewusst zu machen.
Was hast du erwartet?
Warum hast du das erwartet? War es realistisch? Welche Voraussetzungen stecken dahinter?
Und zu guter Letzt: Ist diese Erwartung nützlich?
Die reine Bewusstmachung deiner Erwartungen kann schon einiges in dir anstoßen. Denk also mal genau darüber nach.

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Die Bewusstmachung der Hintergründe und Annahme deiner eigenen Verantwortung ist nichts, was du in der Situation selbst einfach anwenden kannst.
Erst mit etwas Distanz und nachträglicher Reflexion kannst du dich rational mit deinen eigenen Motiven auseinandersetzen.
Das gleiche gilt auch für deine Reaktionsmuster.

#2 Reaktionen analysieren und verändern

Ist dir aufgefallen, dass dich ein bestimmtes Verhalten in der ersten Verliebtheitsphase kein bisschen gestört hat? Jetzt regt es dich aber so sehr auf, dass du die Wände hochgehen könntest.
Das liegt nicht nur daran, dass du die rosarote Brille abgelegt hast. Vielmehr überfrachten die oben schon angesprochenen Erwartungen und Bedürfnisse deine Sicht auf die Situation.
Es hilft, wenn du dir deine eigenen Reaktionen anschaust und überlegst, was du tun kannst, um die Situation zu meistern. Deine Kritik ist immerhin nicht immer unangemessen.

Deine Reaktionen sind lediglich erlerntes Verhalten. Wenn A dann B. So wird es abgespeichert und dann immer wieder benutzt.
Erlernte Muster kannst du aber auch umprogrammieren.

Zunächst hilft es, die Auslöser zu identifizieren.
Was regt dich so sehr auf, dass du anfängst, zu meckern?
Schaue dir die genaue Situation an.
Frage dich auch, was du selbst mitbringst. Gibt es bestimmte Zeiten, in denen du eher zum Nörgeln neigst? Oder spielt dein Energielevel eine Rolle?

Wenn du die Muster identifiziert hast, kannst du anfangen, dich in der Situation dagegen zu entscheiden.
Nimm es dir einfach vor. Erinnere dich öfters daran.
Es wird nicht sofort funktionieren. Zu Beginn kannst du danach reflektieren, was passiert ist und wie du reagiert hast.
Jedes Mal wenn du direkt mit Meckern reagierst, wirst du danach etwas denken wie „Mist, jetzt hab ich wieder vergessen, inne zuhalten und anders zu reagieren“. Und mit der Zeit passiert etwas außergewöhnliches: Du fängst ganz von alleine an, zwischen Auslöser und Reaktion zu stoppen und bewusst zu entscheiden. Einfach weil du oft daran gedacht hast.
Behandel dich selbst während dieser Lernphase aber liebevoll. Veränderungen sind schwierig und du gibst dein Bestes!

Irgendwann wirst du mit Gelassenheit und Nachsicht reagieren. Schuld und Druck werden durch Empathie und Liebe ersetzt. Vertraue darauf.

#3 Einstellung zum Partner und zur Beziehung

Egal, was dich gerade stört, es ist das Verhalten und nicht die Person.
Wenn die Person an sich dich stören würde, gäbe es keinen Grund, die Beziehung weiter zu führen.
Erinnere dich daran, dass du gerne dein Leben mit deinem Partner teilst.

Je nachdem ob uns gerade das Verhalten des anderen stört oder wir meinen, selbst zu viel zu geben, neigen wir dazu unseren eigenen Anteil zu unter- oder überschätzen.
Wenn ihr zwei beide aufschreibt, wie viel ihr beispielsweise im Haushalt erledigt, werdet ihr gemeinsam über 100% kommen.
Dagegen wird eigenes Fehlverhalten oft gar nicht wahrgenommen.

Es hilft sich zu fragen, was der eigene Anteil an der Situation ist.
Dann kann man miteinander reden und die eigenen Erwartungen und Gefühle austauschen.
Aber Achtung: deine Erwartungen werden nur dann von anderen Menschen anerkannt, wenn sie für sie Sinn machen.
Wie genau du sie kommunizieren kannst, damit sie auch wie gewollt bei deinem Partner/ deiner Partnerin ankommen, kannst du im nächsten Punkt nachlesen.

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#4 Kommunikation verbessern

Das Wichtigste und zugleich auch das Schwierigste ist es, auf Vorwürfe zu verzichten. Deshalb meckern wir schließlich: wir machen dem anderen einen Vorwurf.
Wenn dir ein Vorwurf rausrutscht, bevor du ihn zurückhalten kannst, versuche ihn zu entschärfen. Dafür kannst du eine einfache Aber-Konstruktion benutzen.
Beispielsweise „aber ich verstehe, warum du so denkst/ das getan hast…“ oder „aber ich sehe auch meinen eigenen Anteil an der Situation“.

Es hilft immer, sich auf die positiven Aspekte zu konzentrieren, warum sie also nicht gleich aussprechen? Lob wirkt Wunder und gleicht so manch eine Attacke wieder aus. Besonders effizient ist es, wenn du die Versuche zur Veränderung anerkennst. Das motiviert und ihr habt beide etwas davon.

Die bereits angesprochene Analyse könnt ihr auch gemeinsam machen und zusammen nach Lösungen suchen.
Dafür ist es wichtig, dass du deine Wünsche und Bedürfnisse positiv formulierst. Die Verletzlichkeit, die du dabei zeigst, wird wahrscheinlich dankend angenommen und zurückgespiegelt.
Jedes Feedback sollte konstruktiv bleiben. Also nie die Person angreifen und ermutigend statt niederschmetternd sein.
So könnt ihr gemeinsam daran arbeiten, eure Situation zu verändern.

Die andere Seite

Wenn du dies liest, weil dein Partner ständig meckert, habe ich noch zwei kleine Tipps, wie du damit spielerisch umgehen kannst, ohne dass die Situation eskaliert.
Diese sind kleine Soforthilfen, aber kein Ersatz für langfristige Auseinandersetzungen mit der Situation.

#1 Zurückjammern

Wenn Meckern oder Nörgeln mit Zurückjammern gekontert wird, führt das erstmal zu Irritation. Das regt die Kommunikation an und hebt die Einseitigkeit auf.
Dieser Tipp funktioniert aber nicht mein allen Menschen. Du musst es ausprobieren, um zu sehen, ob es klappt. Es könnte auch in einem handfesten Streit enden.

#2 Zustimmung

Bei fast allen Menschen hilft es, wenn du dem Vorwurf einfach zustimmst.
Am besten übertreibst du die Kritik noch – nicht so extrem, dass es ironisch wirkt-. Das irritiert ebenfalls und schmeichelt dem Ego ein wenig.
Danach wirst du wahrscheinlich etwas wie „Na so schlimm ist es ja auch nicht. Ich fände es nur schön, wenn …“ hören und die Situation löst sich auf.

Schlussgedanken

Denke daran, dass deine Emotionen Symptome sind, die du nicht runterspielen oder gar ignorieren solltest. Wenn du dich schlecht fühlst und unzufrieden bist, dann gibt es dafür auch einen Grund. In der Beziehung, in deiner Vergangenheit oder in deinem Umfeld.
Die Schwierigkeit liegt darin, die genaue Ursache herauszufinden.
Nur so kannst du wirklich etwas verändern und das Meckern langfristig aus deinem Leben und deiner Beziehung verbannen.

Du bist großartig und du verdienst es, ein Leben und eine Beziehung zu führen, die dich stärkt und glücklich macht!
Liebe dich und liebe die Menschen an deiner Seite.

Jetzt bin ich gespannt. Worüber meckerst du am häufigsten?

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