lifestyle design

Warum Wut in der Liebe normal ist und wie du damit umgehen kannst

Wut in der Liebe

Heute Morgen gab es bei uns einen kleinen Streit. Es war nichts schlimmes, nur die Grundsatzdiskussion über Ordnung, die wir in letzter Zeit so häufig führen.
Und ich war wütend. So richtig wütend.
Nicht dass ich geschrien hätte oder die Diskussion in einen richtigen Streit ausgeufert wäre, aber ich habe es noch lange nachdem mein Freund weg war in mir brodeln gespürt.
Und natürlich kamen mir plötzlich total absurde Gedanken über Dinge, die er vor drei Jahren ja auch gemacht hatte.

Kennst du diese Momente, in denen sich die Liebe plötzlich in Wut auflöst und du dich fragst, warum du das alles überhaupt mitmachst?

Ich kann dich beruhigen. Ein wenig Wut zwischendurch ist ganz normal und auch gesund.
Es bedeutet nicht, dass du deinen Partner nicht liebst.

Es bedeutet einfach, dass ihr zwei unterschiedliche Personen seid und jeder für seine eigenen Bedürfnisse einsteht.
Das ist gut!

Jetzt gibt es also einen Artikel über Wut.
Nicht über irgendeine Wut, sondern über die Wut in der Liebe.

Wut in der Beziehung ist normal

Wut in der Beziehung ist normal

Warum ist die Liebe so anfällig für Wut und Streit?

Ist dir schon mal aufgefallen, dass du öfter wütend auf deinen Partner bzw. deine Partnerin bist als auf andere Personen?
Das liegt nicht daran, dass die anderen Personen netter sind.

Beziehungen sind extrem intensive Begegnungen. Sie gehen tief in unsere Seele und sie sind komplex. Der perfekte Nährboden für Konflikte also.

Am Anfang ist natürlich alles perfekt.
Die erste Phase ist durch Verliebtheit gekennzeichnet und die macht bekanntlich blind.

Erst danach übernimmt die Beziehung ihre eigentliche Aufgabe.
Nein, die Aufgabe deines Partners ist es nicht, dich glücklich zu machen oder dich zu vervollkommnen.
In der Beziehung sollen beide lernen, sich weiterentwickeln und aneinander wachsen.
Sie bietet quasi den sicheren Rahmen, in dem wir uns intensiver mit uns selbst beschäftigen können.
In ihr kann uns der andere spiegeln, was wir noch nicht gelernt haben.

In meinem Fall ist es wohl vor allem die Geduld.

Wenn man sich streitet und voller Wut aufeinander einstürmt, ist es natürlich nicht leicht, die Liebe darin zu sehen und offen zu bleiben.
Aber eigentlich macht deine Partnerin genau das, was das richtige für dich ist. Sie trifft deine Schwachstellen, um dir zu zeigen, wo du dich weiterentwickeln musst.

Das erfordert Ehrlichkeit.
Und es erfordert Mut. In der Wut zeigen wir nämlich ganz offen, was uns wichtig ist und machen uns dadurch verletzlich.

Und das bedeutet, dass die Wut eigentlich ein wichtiger Bestandteil des Ganzen ist.
Sie ist nicht nur ein negativer Beigeschmack, sondern genau die Art von Energie, die zu Veränderungen führt.
Nicht nur in uns, sondern auch in unserer Beziehung.

Was ist Wut eigentlich?

Wie alle Emotionen ist Wut körperlich verankert. Der Blutdruck und die Hitze im Körper steigen, Stresshormone werden ausgeschüttet und logisches Denken wird erstmal als Nebensächlichkeit vernachlässigt.

Auf der einen Seite stellt Wut eine Art Blockade dar.
Wenn wir wütend sind, können wir nicht denken. Und schon gar nicht lieben.
Und nicht selten verhindert Wut jede Form von Ehrlichkeit.
Besonders uns selbst gegenüber.

Aber Wut ist nicht Aggression, sie ist kein Hass und keine Gewalt.
Wut muss also nicht zerstörerisch sein.
In unserer Generation, in der Selbstoptimierung, Meditation und Achtsamkeit immer wichtiger werden, hat die Wut zu Unrecht den Beigeschmack des Kontrollverlustes.

Wut ist eine der ersten Emotionen, die Babys erfahren.
Sie ist eine sogenannte Grundemotion.
Und das nicht ohne Grund.

 

Wut

Wut erfasst den ganzen Körper

Wut zeigt unsere eigenen Grenzen und schützt sie vor anderen. Insofern ist sie doch eine Art Wahrheit über uns.
Sie kommt nicht einfach so unkontrolliert.
Sondern als Resultat vieler anderer Gefühle, die wir nicht ausgedrückt haben. Sie stauen sich in uns auf.
Bis sie eines Tages explodieren.

Die Wut zeigt also, was wir vorher vernachlässigt haben.
Die Emotionen in uns haben immer eine Berechtigung. Die Frage ist nur, warum die Emotionen da sind.
Häufig genug entstehen sie nicht aus der Realität, sondern aus unbewussten Vorstellungen heraus.

Wut kann uns hier als Kompass dienen.
Sie zeigt uns, dass wir etwas übersehen – bei uns selbst oder in der Beziehung.
Sie verweist auf unsere Ideale und alte Verletzungen.
Wut zwingt uns, das alles zu spüren und uns mit ihnen auseinander zu setzen.

Und Wut bringt eine Menge Energie mit.
Sie wirbelt alles auf und schafft Raum für Verletzlichkeit und Ehrlichkeit, aus der Veränderungen werden können.
Manchmal braucht mal einen Sturm, damit es danach klar werden kann.

Wann ist Wut zerstörerisch?

Wut erfüllt also einige wichtige Aufgabe im Zusammenleben mit anderen und unserer Weiterentwicklung.

Zur zerstörerischen Wut kommt es erst dann, wenn wir die vorherigen Warnzeichen ignorieren.
Es passiert oft genug, dass wir unsere Wut und unsere Bedürfnisse unterdrücken, um die Beziehung nicht zu gefährden oder die Harmonie zu wahren.

Aber damit verschließen wir den Deckel nicht einfach, wir stopfen die Kiste so lange voll, bis sie auseinander bricht.

Wenn wir unsere Gefühle allzu lange leugnen, richten sie sich irgendwann als Attacke gegen uns selbst oder gegen andere.
Nicht umsonst sagt man, dass unterdrückte Wut zu Magengeschwüren führen.

Umgang mit Wut und Ärger

Das wichtigste im Umgang mit Wut ist das Bewusstwerden.
Unterdrückte und unbewusste Wut ist wie ein immer zur Attacke erhobenes Messer.

Die Wut muss akzeptiert und gefühlt werden, sonst wirst du nie Klarheit bekommen.
Du musst dich achtsam und voller Mitgefühl mit dir und der Wut auseinander setzen. Das ist ein Teil der Überwindung.

Aber trotz des Mitgefühls musst du die Verantwortung für deine Gefühle übernehmen.
Du selbst hast diese Gefühle in dir. Sonst kann kein anderer Mensch es in dir erzeugen.

Die Wut kommt meist aus alten Verletzungen – nicht selten aus der Kindheit -.
Aber du kannst sie jetzt heilen.
Warum sonst würde dein Partner sie nun wieder hervorzwingen, wenn nicht um eine Veränderung herbeizuführen?

Nutze die Situation also, um dich mit dir selbst auseinander zu setzen.
Erst mit dem Verstehen und der Einsicht kann eine Entwicklung einsetzen.

Stelle dir selbst Fragen und nutze die Klarheit nach der Wut.
Sinnvolle Fragen sind beispielsweise:

Warum genau bin ich so wütend geworden? Was daran erzeugt die Wut?
Und warum kann diese Situation überhaupt Wut in mir erzeugen?
Woran erinnert mich das aus früheren Situationen (meiner Kindheit)?
Wovor habe ich Angst, dass ich mit Wut reagiere?
Kann ich mich wirklich auf die Liebe einlassen? Bin ich bereit, die Liebe des Anderen wirklich zu empfangen und Liebe zu geben?
Wovor hat mein Partner/ meine Partnerin Angst, dass sie so reagiert? Wie kann ich helfen?

Mit diesen Fragen kommst du der Wahrheit hinter deiner Wut und der Wut deiner Partnerin deutlich näher.
So kannst du die Situation des Streites zur Weiterentwicklung nutzen.
Und wenn du sie genutzt hast, gibt es keinen Grund mehr, warum sie nochmals auftreten sollte.

Noch ein letzter Hinweis.
Wir neigen dazu, darüber nachzudenken, was der andere lernen sollte.
Aber darum geht es nicht.
Wenn wir die Wut empfinden, dann sind wir diejenigen, die etwas lernen müssen.
Konzentriere dich also auf dich und nicht auf deinen Partner.

Natürlich ist die Reflexion erst nach der Situation selbst möglich.
Schauen wir uns also an, wie eine Streitsituation sinnvoller genutzt werden kann.

Wenn Wut zum Streit führt

Auch wenn wir uns streiten, ist es wichtig, unsere eigene Verantwortung für unsere Gefühle nicht zu vergessen.
Mit Formulierungen wie „Du sorgst dafür, dass ich mich … fühle“ und ähnlichen wird sich unser Gegenüber angegriffen fühlen und zurück schlagen. Und wir geben unsere Macht ab.
Aber wir haben Macht über unsere Gefühle.
Versuche also lieber „ich empfinde …“ zu sagen.

Das ist anfangs schwierig, aber wenn du es immer wieder versuchst, wird es irgendwann ganz normal und beeinflusst deine Geisteshaltung positiv.

Es hat auch den Vorteil, dass es nicht sofort als Attacke beim anderen ankommt.
Im Streit ist dein Partner eben das – ein Partner und kein Gegner.

Es ist wichtig, dass beide Parteien ihre Emotionen ausdrücken.
Es darf geschrien und getobt werden.

Wichtig ist nur, dass der Streit ein sicherer Raum ist.
Niemand geht, bevor die Situation nicht geklärt ist.
Gehe nicht aus dem Zimmer, beende die Beziehung nicht und drohe auch nicht damit, solange der Streit noch anhält.

Wenn ihr euch im Vorhinein darauf einigt – also noch bevor es überhaupt zu einem Streit kommen kann – dann können beide den Mut aufbringen, ihre Emotionen wirklich auszudrücken.
So bleibt die Beziehung stabil und wird glücklicher, denn jeder weiß um die Bedürfnisse des anderen.

Wut führt zu Vergebung

Wut führt zu Vergebung

Nach dem Streit ist es an der Zeit, dich in Vergebung zu üben.
Vergebe deinem Partner ebenso wie dir selbst.

Du wirst sehen, dass sich einiges in dir und in deiner Beziehung verändern wird, wenn du anfängst, die Wut als einen Motor der Weiterentwicklung zu verstehen und dementsprechend mit ihr umzugehen.

Viel zu diesem Thema habe ich in dem Buch Rückkehr zur Liebe* von Marianne Williamson gelernt. Ein Blick in dieses Buch lohnt sich, auch wenn sich die Autorin viel auf Religion bezieht.

Du bist großartig. Pass dein Leben an dich an und liebe dich!

 

Jetzt bin ich gespannt, von dir zu hören.
Bist du manchmal so richtig wütend auf denen Partner?
Warum? Und hast du Strategien, damit umzugehen?

 

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .