personal growth

Ich hasse mich! So erkennst du, dass du dich nicht liebst

23. Oktober 2019
ich-hasse-mich-titel

“Die wichtigsten Worte, die du jemals hören wirst, sind die Worte, die du zu dir selbst sprichst.” -Marisa Peer

Unsere eigenen Gedanken beeinflussen uns selbst mehr als alles andere. Was wenn die Geschichten in unserem Kopf uns runter machen und von Misserfolgen sprechen? Was wenn wir Gedanken haben wie “ich hasse mich”?

Woher wissen wir, ob wir die Realität sehen oder eine negative Verzerrung?

Wenn wir uns selbst nicht annehmen können und vielleicht sogar hassen, hat das starke Auswirkungen auf unser Leben. Alles wird anstrengender, weil wir uns selbst beständig sabotieren und alles Gute in Zweifel ziehen.

Es ist gar nicht so einfach zu erkennen, ob wir an mangelnder Selbstliebe leiden oder die Welt einfach realistisch wahrnehmen. Wir haben ja nie etwas anderes erfahren.

Selbsthass ist zwar so individuell wie jeder von uns, aber doch an einigen konkreten Punkten erkennbar. Stellen wir uns also gemeinsam der Herausforderung, unsere Gedanken zu hinterfragen und hinter die Schleier des Offensichtlichen zu blicken.

Ich hasse mich! Die 3 Dimensionen fehlender Selbstliebe

Wie alles agieren auch Selbstliebe und -hass auf drei Ebenen: Handlung, Gedanken und Gefühle. Jede dieser Dimensionen ist zugleich Ursache und Auswirkung fehlender Selbstannahme.

Geringes Selbstvertrauen oder gar Selbsthass verläuft nicht linear. Alle Ebenen greifen wie in einem Zahnrad ineinander.
Deshalb sind alle drei Ebenen gleich wichtig. Nur wenn wir sie gemeinsam in Angriff nehmen, können wir wirklich eine Veränderung erreichen.

Auf jeder Ebene können wir Anzeichen dafür finden, dass wir uns nicht wirklich akzeptieren. 
Egal wie viele der folgenden Punkte auf dich zutreffen, du bist jetzt auf dem Weg. Und jeder kleine Schritt bringt eine große Veränderung. Der erste ist immer die Erkenntnis.

Woran erkennen wir also, dass uns Selbstliebe fehlt?

ich-hasse-mich-selbsthass

Handlung: Selbstsabotage voraus

Die erste Dimension ist die Handlungsebene. Auf ihr befindet sich nicht nur der Umgang mit uns selbst, sondern auch mit anderen Menschen.

Jede Form von Kritik an dir, deinem Körper, deinen Fähigkeiten oder deinem Engagement ist Selbstsabotage. Die Unzufriedenheit mit uns selbst hält uns klein und verhindert, dass wir über sie hinauswachsen. Sind die Dinge, mit denen du unzufrieden bist, nicht auch jene, die du nicht veränderst?
Das kommt daher, dass die Abwertung jegliche Energie entzieht. Es ist dann einfach nichts mehr übrig, um zu handeln.

Egal ob wir darüber jammern, dass wir unseren inneren Schweinehund nicht überwinden können oder dass unsere Chefin uns ungerecht behandelt. In beiden Fällen geben wir die Verantwortung für unser Leben ab. Wir machen uns klein und abhängig, statt unsere wahre Macht anzuerkennen: Wir können alles in unserem Leben jederzeit verändern.

Und weil wir ohne Selbstliebe so wenig Verantwortung für uns übernehmen, kümmern wir uns auch nicht um uns und unseren Körper. Fehlende Selbstfürsorge ist einer der Hauptauslöser für Selbstzweifel, Stress und Selbstsabotage. “Ich hasse mich” ist dann das konstruktivste Urteil, das wir abgeben müssen.

Wir weichen uns lieber aus. Egal ob wir das mit Drogen machen, durch den Fernseher oder unser Konsumverhalten. Wir halten das Leben für uns eine Zeit lang an, damit wir uns nicht mit uns und unseren Problemen beschäftigen müssen.
Konsumieren statt Reflektieren.

Umgang mit anderen

So kann sich mangelnde Selbstliebe auch darin zeigen, dass wir immer unter Menschen sein müssen, weil wir uns selbst nicht ertragen können. Oder wir empfinden in der Gegenwart von andere Menschen Stress und bleiben deshalb lieber allein vorm Fernseher oder einem Buch.
In beiden Fällen verhinderst du aber, dass du dich selbst reflektierst und kennen lernst.

Gerade Beziehungen werden von mangelnder Selbstakzeptanz stark beeinflusst. Wenn wir uns nicht lieben, muss diese Aufgabe jemand anderes erfüllen. So entsteht schnell emotionale Abhängigkeit, denn all unser Glück und die Liebe an sich, wird von unserem Partner abhängig gemacht. Das kann zu Verlustangst und Eifersucht führen. Oder zu einer Meidung von Bindung, damit wir nicht verletzt werden. 

Fühlst du dich schnell angegriffen und durch jede Kritik verletzt? Oder bist du darauf bedacht, von außen bestätigt zu werden? Beides sind Anzeichen, dass du dich nicht akzeptierst, wie du bist. Unser Ego will ein bestimmtes Bild von uns nach außen transportiert wissen.

Wenn wir uns selbst hassen, sehen wir unseren Wert nicht. Deshalb vergleichen wir uns mit anderen, um sicher zu gehen, dass wir besser sind. Wir glauben, die Beste sein zu müssen, um nicht zu verlieren. Das erzeugt nicht nur Stress, sondern auch Konkurrenzdenken.

Insgesamt verhindert Selbsthass, dass wir uns für andere Menschen öffnen, uns verletzlich zeigen und auch die anderen wirklich erkennen können. So bleiben Beziehungen ebenso oberflächlich wie die Beziehung zu uns selbst. Wenn du denkst “ich hasse mich”, kannst du auch andere nicht richtig lieben.

Gedanken: einschränkende Glaubenssätze

Innere Glaubenssätze bilden die zweite Ebene der Selbstliebe. Sie bestehen aus weit verzweigten Glaubenskonstrukten, die nur nach und nach aufgedeckt werden können und sich auf jeden anderen Aspekt unseres Lebens auswirken.

Unsere Glaubenssätze können stärkend oder schwächend wirken. Sie können uns antreiben oder zurückhalten. Manchmal blockieren sie uns sogar komplett und lassen keine Veränderung zu.

Es gibt unendlich viele verschiedene Gedanken, die deine Selbstachtung schwächen und dich davon abhalten, ein erfülltes Leben zu führen. Hier möchte ich dir drei ganz typische vorstellen.

ich-hasse-mich-innere-stimme

Ich bin nicht genug.

Der Glaubenssatz nicht genug zu sein ist beinahe gleichzusetzen mit dem Gedanken “ich hasse mich”. Er transportiert nicht nur Minderwertigkeitsgefühle, sondern auch Verachtung für sich selbst und ein gehöriges Maß an Aggression gegen die eigene Person. 

Er zeigt sich auch in dem Glauben, nicht schön, intelligent oder allgemein gut genug zu sein. Jedes Mal, wenn du ein Idealbild einer Mutter oder einer Partnerin herauf beschwörst, diesem aber nicht entsprichst, bist du in der Falle dieses Gedankens gefangen.

Dazu gehören auch ständige Wiederholungen vergangener  Situationen, in denen du etwas anders oder eben besser hättest machen sollen.

Ich komme zu kurz.

Wenn du immer auf der Hut bist, nicht ausgenutzt zu werden, und an jeder Ecke einen Verrat erahnst, glaubst du nicht nur daran, dass andere dich immer schlecht behandeln. Unbewusst sind wir in diesen Gedanken auch davon überzeugt, es nicht anders verdient zu haben. Nicht liebenswert zu sein.

Das Gedankenmuster, zu kurz zu kommen, bestätigt dabei immer wieder, dass wir tatsächlich keine Liebe verdient haben. Und weil sich sonst niemand um uns sorgt, verfallen wir dann oft in egoistisches Verhalten, um unsere Rechte zu schützen. Damit sabotieren wir nicht nur unsere Beziehungen, sondern beweisen uns unseren inneren Mangel immer wieder.

Ich bin nicht so wichtig.

In die gleiche Schiene greift auch der dritte Glaubenssatz. Wenn wir glauben, weniger wichtig zu sein als andere, unsere Bedürfnisse also nicht beachten, dann vermuten wir vorbewusst einen wichtigen Grund dafür. Wir setzen uns im Vergleich zu anderen herab.

Weil wir unsere Bedürfnisse nicht achten, werden sie auch von anderen nicht wahrgenommen. Der scheinbare Mangel an Einfühlungsvermögen von außen bestätigt wiederum, was wir schon immer über uns wussten: Wir sind nicht wichtig.

Auch das ist Ausdruck von mangelnder Selbstliebe und im höchsten Maße sabotierend. Wenn du deine Bedürfnisse nicht ernst und dich selbst immer zurück nimmst, wirst du dich bis zur Erschöpfung um andere kümmern, dich regelrecht aufopfern. Immer in der Hoffnung, dadurch doch irgendwie liebenswert zu werden.

Emotionen: drängende Gefühle und Ruhelosigkeit

ich-hasse-mich-ruhelos

Auf der emotionalen Eben wirken Gedanken wie “Ich hasse mich!” oder “Ich bin nicht gut genug!” zusammenziehend und einschränkend. Sie halten uns klein und verstärken die angenommene Wertlosigkeit.

Gefühle wie Angst oder Ohnmacht zeigen sich hier in all ihren Facetten. Von mangelnder Selbstliebe wird besonders die Angst vor Ablehnung bestärkt. Sie kommt immer dann auf, wenn wir uns darum sorgen, was andere über uns denken oder dass sie uns nicht mögen.

Auch die Angst davor, Fehler zu machen oder überhaupt etwas Neues auszuprobieren, hängt mit geringen Selbstwertgefühlen zusammen. Wir verstecken uns lieber, als uns so zu zeigen, wie wir sind.
Das hat zur Folge, dass wir nach außen hin hart werden und sich auch Aggression in das Gefühlschaos mischt.

Oft kommen unbegründete Schuldgefühle dazu. Dann glauben wir, etwas falsch gemacht zu haben und für alles Negative die Verantwortung zu tragen. Selbst für die Emotionen anderer.

Tatsächlich ändert dies nichts an der empfundenen Ohnmacht, denn unsere Wirkmächtigkeit empfinden wir nur als Last, die wir nicht beherrschen können. Selbstzweifel und Unsicherheiten gehören dann zu uns wie eine zweite Haut.

Insgesamt zeigen sich fehlende Selbstliebe und Gedanken wie “Ich hasse mich!” also in einer negativen Grundstimmung, die alles zur Anstregung werden lässt. Dies kann sich bis zur absoluten Lethargie steigern.

Ich hasse mich! Ist das wirklich wahr?

Nachdem du nun einen guten Überblick über die Auswirkung mangelnder Selbstliebe bekommen hast, kannst du bestimmt gut einschätzen, ob du dich selbst annimmst oder nicht.

release-onlinekurs
Trau dich, deine Stärke zu leben und zu der einzigartigen Person zu werden, die in dir steckt.

An dieser Stelle möchte ich dich daran erinnern, dass Selbsthass und Selbstliebe keine ausschließenden Begriffe sind. Sie stellen eher ein Kontinuum dar, in dem sich jeder von uns mehr in die eine oder andere Richtung bewegt.

Wo auch immer du dich auf diesem Kontinuum bewegst, eine Veränderung ist immer möglich. Es ist nicht unbedingt der leichteste oder schnellste Weg.
Aber du kannst immer einen Schritt nach den anderen gehen. Und ich verspreche dir: Jeder weitere Schritt wird dir Erleichterung bringen und ein wenig glücklicher machen.

Bei mir wechselt es immer sehr, ob ich gerade besonders stark die Auswirkungen von bestimmten Gedanken, Handlungen oder Gefühlen erfahre. Das liegt daran, dass es ein Prozess ist und wir uns immer weiter entwickeln. Wenn du also ein neues Problem entdeckst, dann beglückwünsche dich dazu: Du hast eine weitere Schicht abgearbeitet und bist näher zu dir gekommen.

Ich wünsche dir die Stärke, dich ungeschminkt wahrzunehmen und die Schönheit hinter deinen Masken zu erkennen.

Alles Liebe
Janina

Mit welchen Glaubenssatz, Gefühl oder sabotierenden Handlungen hast du gerade zu kämpfen?

No Comments

Leave a Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.