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Ist deine Selbstliebe noch gesund? So vermeidest du Egoismus

11. September 2019
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Wenn du glaubst, du seist erleuchtet, geh deine Eltern besuchen.

Keine Ahnung woher dieser Satz kommt. Er stimmt einfach.

Das wurde mir wieder bewusst, als mein Vater mich nach einem Besuch zur Bahn brachte. Wir redeten so über dies und das. Und dann haute er es raus.
„Du bist schon ziemlich egoistisch.“
Bäm. Voll ins Gesicht.
„Das ist nicht schlimm. Es ist nun mal einfach so.“

Und ja, er hat völlig Recht. Zumindest wenn ich mich mit manch anderen vergleiche.
Trotzdem habe ich 4 Stunden später noch immer darüber nachgedacht.

Woher kommt eigentlich diese Angst davor, egoistisch zu sein?
Und wann bin ich egoistisch?

Wo ist der Unterschied zwischen Egoismus und dem Schützen der eigenen Grenzen? Ist Selbstliebe immer egoistisch?

Schauen wir uns die beiden Konzepte mal an!

Was bedeutet Selbstliebe eigentlich?

Selbstliebe ist vor allem eine Praxis, die aus täglichen Handlungen der Selbstachtsamkeit besteht. Einem achtsamen Umgang mit sich selbst.

Achtsam den eigenen Bedürfnissen und Möglichkeiten gegenüber zu werden, bedeutet nichts anderes als Verantwortung zu übernehmen. Daraus entsteht nicht nur ein ganz neues Körpergefühl.

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Trau dich, deine Stärke zu leben und zu der einzigartigen Person zu werden, die in dir steckt.

Aus diesem Wissen speist sich auch die Praxis der Selbstfürsorge. Sie wird zur Selbstliebe, wenn wir sie zu einer Gewohnheit machen. Gerade dann, wenn wir uns gar nicht danach fühlen.

Selbstliebe ist so schwierig, denn sie ist nicht einfach ein Zustand, sondern eine Mischung aus Erkenntnis und Handlung. Mehr eine Gewohnheit als eine Geisteshaltung.

Selbstliebe für mich

Auf persönlicher Ebene bedeutet Selbstliebe Selbstverantwortung. Wenn wir auf uns und unsere Bedürfnisse Rücksicht nehmen, sind wir viel ausgeglichener und ruhen in uns.

Damit entbinden wir auch andere von der Pflicht, uns unsere Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen. Wenn du dich wirklich liebst, ist nicht mal mehr eine Bestätigung von außen notwendig. Du weißt um deinen Wert und verhältst dich auch dementsprechend.

Du agierst dann nach dem Prinzip: Ich helfe erst mir, dann kann ich aus dieser Basis heraus auch anderen helfen. Wie beim Flugzeug, wo du auch erst deine eigene Maske anlegst, bevor du deinen Kindern hilfst.

Aus diesem Wissen heraus wirst du dir auch deine eigenen Ziele stecken, ohne dich von anderen beeinflussen zu lassen. Dadurch erreichst du nicht nur die Dinge, die dich wirklich erfüllen. Du bist auch intrinsisch motiviert, was dir die Erreichung deiner Ziele einfacher macht und viel wahrscheinlicher zum Erfolg führt.

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Dir selbst Halt zu geben ist kein Egoismus.

Selbstliebe für andere

Nicht nur du selbst, auch alle anderen haben etwas von deinem Selbstvertrauen. Nicht nur weil du ihnen ein gutes Vorbild bist. Selbstliebe bedeutet auch: aus dem Wissen heraus agieren, dass genug für alle da ist. Das schafft Platz, um miteinander statt gegeneinander zu arbeiten.

Selbstannahme schafft zudem Empathie für andere. Verständnis für Schwächen und Probleme anderer macht dich eher dazu bereit, ihnen auch zu helfen. Gleichzeitig schenkt dir deine Achtsamkeit für deine eigenen Bedürfnisse genug Energie, um wirklich etwas zu bewirken.

Wenn es uns gut geht, können wir auch anderen Gutes tun. Und das aus Liebe heraus, nicht aus Verpflichtung. Und ganz ohne Gegenleistung.

Sind wir in unserer innere Fülle, erwarten wir nichts mehr von anderen. Aber wir schätzen ihre Aufmerksamkeit als das kostbare Geschenk, das es ist. Und wir können uns ehrlich für andere freuen, ohne dass wir ihren Erfolg auf uns beziehen und Neid empfinden. 

Jede von uns behandelt andere so, wie sie sich selbst behandelt.  Selbstannahme bedeutet also das Ende von Manipulation und Spielchen.

Ganz automatisch umgeben wir uns mit den Menschen, die wir wirklich lieben. Eine gute Freundin, die sich selbst liebt, wird dir eine Stütze in schweren Zeiten, eine Antreiberin auf dem Weg zu deinen Zielen und eine ehrliche Rückmeldung sein. Zumindest dann, wenn du es willst.

Woher kommt die Angst davor, egoistisch zu sein?

Angesichts der vielen Vorteile, die Selbstliebe für dich und alle anderen hat, ist es verwunderlich, dass wir so viel Sorgen auf den Egoismus verschwenden. 

Ein wenig Egoismus ist gesund – so hätten wir es auch lernen können.

Die typischen Sprüche unserer Kindheit lauten aber ganz anders:
Eigenlob stinkt, tu was man dir sagt oder der Esel nennt sich selbst zuerst sind nur einige Beispiele dafür. Sie haben den Zweck, Nächstenliebe in den Kindern zu stärken und Freundlichkeit anzutrainieren.

Absoluter Kokolores. 

Sie machen aus “Egoist” ein Schimpfwort und erzeugen Schuldgefühle. Das kann so weit gehen, dass wir glauben, es dürfe uns erst dann gut gehen, wenn es auch allen anderen gut geht.

Es ist ein Phänomen unserer Zeit, dass wir möglichst unkompliziert, genügsam und uneigennützig erscheinen wollen. Deshalb funktioniert der Vorwurf des Egoismus auch so hervorragend. Wenn du von jemandem zu hören bekommst, du sollst nicht so egoistisch sein, denk erstmal drüber nach, ob du gerade manipuliert wirst.

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Der Vorwurf Egoismus wird oft zur Manipulation genutzt. Entscheide selbst.

Und was bedeutet Egoismus im Vergleich zur Selbstliebe?

Nun fragst du dich bestimmt, was denn eigentlich Egoismus ist, wenn Selbstliebe doch bisher so gut weg gekommen ist. In vielerlei Hinsicht zeichnet sich Egoismus durch das Gegenteil zur Selbstliebe aus.

Egoismus ist das Handeln aus einem Mangel heraus. Er ist eng mit einem Selbstwert verbunden, das sich über Statussymbole definiert. Dann müssen wir mehr haben, um mehr zu sein.

So werden Erfolge anderer auch zur Bedrohung und wir missgönnen sie manchmal selbst unseren absoluten Lieblingsmenschen.

Da wir uns selbst weder annehmen noch richtig verstehen, fehlt uns auch die Empathie für andere. Also sind wir nur auf unseren eigenen Vorteil bedacht – die sogenannte Ellbogenmentalität. Jeder ist ein Konkurrent um die geringen Ressourcen wie Geld, Anerkennung oder Erfolg.

Die eigenen Bedürfnisse müssen um jeden Preis befriedigt werden, weil wir nicht glauben, dass wir irgendetwas geschenkt bekommen. Egoismus bedeutet also, sich selbst über und gegen andere zu stellen.

Dabei sind wir in diesem Zustand extrem abhängig von der Bestätigung von außen, auch wenn wir das leugnen. Unsere Motivation ist nicht intrinsisch, sondern orientiert sich daran, was wir haben oder darstellen können.

Gründe für Egoismus

Arroganz und Selbstzentriertheit sind eigentlich nur Masken, die unsere Unsicherheit verstecken soll. Verletzlichkeit ist etwas, das wir uns als Egoisten nicht leisten können. Es könnte schließlich als Waffe gegen uns genutzt werden.

Egoismus bedeutet nicht einfach nur im Selbsterhaltungsmodus zu sein. Wir sind im absoluten Überlebensmodus. Mangelnde Selbstfürsorge, Abwehr der eigenen Verantwortung und der Glaube, es sei nicht genug für alle da, halten unser Gehirn in ständigem Stress. Und unter Stress können wir nicht richtig denken.

Weil wir uns und unsere Bedürfnisse weder erforscht noch angenommen haben, bleibt uns nichts als Flucht vor unseren eigenen Emotionen

Egoismus entsteht aus einer Überhöhung eines Ideal-Ichs, das wir nicht erreichen können. Aber zumindest nach außen darstellen müssen. Darin verbergen sich Gefühle von Minderwertigkeit, Unterlegenheit und eine tief verwurzelte Angst vor Ablehnung.

Wann laufe ich Gefahr, egoistisch zu sein?

Du siehst, Egoismus ist eigentlich ein Selbsterhaltungstrieb, der einsetzt, wenn es uns nicht gut geht. Leider ist er so verbreitet, dass er schon als Normalität durchgeht und selten als solcher erkannt wird.

Fragst du dich noch immer, ob du nun egoistisch bist oder dich selbst liebst?

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Können wir selbst erkennen, wann wir egoistisch sind? Oh ja!

Dann habe ich hier 8 untrügliche Zeichen, dass deine Selbstliebe Egoismus ist:

  • du kümmerst dich nicht so sehr um dein Wohlergehen, sondern mehr um den Schein
  • du hast Angst, du könntest zu kurz kommen und nutzt andere lieber aus, bevor sie es mit dir tun
  • du machst andere runter
  • du willst andere (z.B. deinen Partner) verändern – natürlich zu ihrem Wohl –
  • du stellst anderen Bedingungen
  • du nimmst keine Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer
  • du stehst nicht zu deinen Verpflichtungen oder Versprechen
  • du hast genaue Erwartungen, was andere dir geben sollten (z.B. Zeit oder Aufmerksamkeit)

Findest du dich in mehr als zwei dieser Punkte wieder?

Super! Du hast zwar ein Problem mit Egoismus, aber immerhin weißt du, woran du arbeiten kannst. Einsicht ist der erste Schritt zur Veränderung. Und du bist damit nicht allein. Wir alle haben zumindest hin und wieder gewisse egoistische Züge. Davon kann ich nicht nur ein Lied sondern ganze Arien singen.

Selbstliebe ist Egoismus – nur ein bisschen besser

Wenn du dich nun fragst, ob Selbstliebe und Egoismus eigentlich gleichzeitig auftreten können, ist die Antwort ein klares Jein.

Beides sind Konzepte, die auf unterschiedlichen Ebenen agieren. Während Selbstliebe eher die Grundsubstanz für das Handeln bietet, beschreibt Egoismus Handlungsmuster in Bezug auf andere. Niemand ist einfach vollkommen mit sich selbst im reinen oder ganz und gar egoistisch. Zwischen beiden spannt sich ein weites Kontinuum auf.

So kann man durchaus in gewissen Bereichen selbstlos, in anderen aber durchaus egoistisch sein.

Und solange wir beachten, dass auch andere Menschen Bedürfnisse haben und Helfen glücklich macht, ist ein gewisses Maß an Egoismus gut. Ein positiver Egoismus sozusagen.

Und positiver Egoismus ist überlebenswichtig. Er bewahrt unsere Grenzen und sorgt dafür, dass wir unser eigenes Leben nach unseren Vorstellungen gestalten. Er lässt uns unsere Bedürfnisse ernst nehmen und auch mitteilen, wenn wir verletzt werden.

Bedenke, dass sich unterdrückte Bedürfnisse immer ihren Weg bahnen und dann sind sie unkontrollierbar.

Positiver Egoismus besteht wie Selbstliebe aus Selbstreflexion, Selbstfürsorge und Ehrlichkeit. Auf dieser Basis können wir unser Leben gestalten und aus uns selbst heraus glücklich sein.

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Die Notfall-Lösung für die Tage, an denen es dir nicht gut geht.

Schlusswort zum Vergleich von Selbstliebe und Egoismus

Die Angst davor, egoistisch zu wirken, kann uns ziemlich blockieren.

Wenn du sicher gehen möchtest, dass deine Handlungen selbstverantwortlich und nicht egoistisch sind, bleibt dir nicht anderes übrig, als dir die schwierigen Fragen zu stellen:

Warum mache ich das?
Richtet sich meine Handlung gegen jemanden?
Fühle ich mich glücklich dabei

Achtsamkeit mit sich und den eigenen Gefühlen, Verantwortung für Bedürfnisse und Stärken übernehmen, Entscheidungen für die Liebe und das Bewachen der eigenen Grenzen sind Akte der Selbstliebe – nicht Egoismus.
Wenn du andere damit enttäuscht, denke daran: Du kannst nichts für ihre Erwartungen.

Mache jeden Tag eine Sache nur für dich. Dann hast du auch genug Fülle in dir, um anderen etwas weiter zu geben.

Ich wünsche dir Gelassenheit und eine gesunde Portion positiven Egoismus.

Alles Liebe
Janina

Jetzt bin ich neugierig. Wie stehst du zu der Selbstliebe – Egoismus Debatte?

In welchen Situationen fühlst du dich egoistisch?

2 Comments

  • Reply Anonymous 11. September 2019 at 13:22

    Hi das ist ein wirklich spannender Ansatz 😉 Danke

    • Reply Janina Jaeckel 4. Oktober 2019 at 20:55

      Danke sehr für deinen Kommentar.
      Alles Liebe
      Janina

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